
Baden. Für diesen einen Moment war Werner Kernebeck nicht wiederzuerkennen. Der Trainer des Volleyball-Zweitligisten TV Baden – sonst ein eher ruhiger und besonnener Coach – ließ in diesem Augenblick seinem Ärger Luft. Gegen Ende des ersten Satzes leistete sich seine Mannschaft im Heimspiel gegen den Kieler TV einen einfachen Fehler. Kernebeck warf daraufhin seinen Stift verärgert gegen die Wand. Kurz darauf war der Coach aber wieder der normale Werner Kernebeck – ruhig und besonnen. Er hatte nach dieser Aktion auch keinen großen Grund mehr, sich zu ärgern. Zwar verlor sein Team am Sonnabend in der Lahofhalle mit 2:3 (25:21, 27:29, 22:25, 25:21, 11:15), der TVB verlangte dem Topteam aber alles ab. Belohnt wurden die Badener für ihre starke Leistung mit einem Punkt.
Werner Kernebeck war extrem glücklich darüber, dass seine Crew gegen Kiel nicht leer ausgegangen ist. Jeder in der Halle – wahrscheinlich sogar der Gegner aus Schleswig-Holstein – wusste, dass die Badener dies auch nicht verdient gehabt hätten. Denn die Gastgeber spielten gegen einen starken Gegner einfach selbst zu gut. „Wenn wir aus diesem Spiel nichts holen, wäre das extrem bitter. Sowohl für die Spieler als auch für die Zuschauer und auch ein bisschen für den Trainer“, sagte Kernebeck. Der Punkt, er war eben auch gut für die Moral aller Beteiligten.
Dass es am Ende keine Nullnummer für den TV Baden ist, lag schlicht und einfach an dem großen Willen der Kernebeck-Crew und eben an der starken Leistung. „Da waren wir klar in unserem höchsten Level“, lobte Kernebeck seine Spieler, dass sie allesamt ihr Maximum erreicht hatten. Von Anfang an waren die Badener hellwach. Nachdem der erste Satz lange ausgeglichen verlaufen war, setzten sich die Gastgeber im entscheidenden Moment durch ein Ass von Jannik Haats – später wurde der Mittelblocker zum wertvollsten TVB-Spieler ernannt – auf 23:20 ab. Alexander Decker machte den Deckel schließlich drauf und verwandelte gleich den ersten Satzball – 25:21.
In Durchgang zwei waren die Badener erneut drauf und dran, dem Favoriten das Nachsehen zu geben. Die Kieler wehrten beim 22:24 aus ihrer Sicht aber beide Matchbälle ab. Danach wurde es in der Verlängerung des Satzes dramatisch. Die rund 120 Zuschauer bekamen einen spektakulären Ballwechsel nach dem anderen zu sehen. Die Stimmung brodelte im Lahof. Das Quäntchen mehr Glück hatten dann aber die Adler aus Kiel, die den Abschnitt mit 29:27 für sich entschieden.
Der dritte Satz war – wie sollte es anders sein – ein spannender. Die Badener waren auf einem guten Weg, diesen für sich zu entscheiden und lagen mit 21:19 vorne. Der Kieler TV spielte aber in der Folge seine Klasse aus und drehte den Durchgang noch zu seinen Gunsten (25:22). Der TVB wollte an diesem Abend aber partout nicht leer ausgehen. Das Minimum – ein Punkt – sollte mit aller Macht her.
Und es klappte: Im vierten Satz erspielte sich die Kernebeck-Crew ein kleines Polster, das genügen sollte, um Abschnitt Nummer vier mit 25:21 zu gewinnen. Der Tiebreak musste dann entscheiden, wer den zweiten Zähler mitnimmt. Im Entscheidungssatz waren die Kieler besser und verdienten sich somit auch den Sieg.
Kernebeck war dennoch glücklich. Wie in der Vorsaison verlor sein TVB zu Hause mit 2:3 gegen den KTV. „Wir haben alles reingehauen. Leider hat es gegen Kiel wieder nicht gereicht“, sagte er. „Im Januar nehmen wir einen neuen Anlauf.“ Dann gastieren die Badener an der Ostsee.
Der Trainer nahm das gute Spiel vom Sonnabend zudem zum Anlass, um nach vorne zu schauen: „Wenn wir mit diesen Emotionen und solch einem Willen auftreten, mache ich mir über den weiteren Verlauf dieser Saison keine Sorgen.“
TV Baden: Ole Sagajewski, Aaron Warneken, Björn Hagestedt, Nick Sörensen, Alexander Decker, Moritz Wanke, Jannik Haats, Nils Mallon, Max Kernebeck, David Weiß (n.e.), Connor Landon (n.e.).





